Gestalt-Leben

Gestalt-Leben -ein Experiment-

Seit 2002 findet einmal pro Jahr ein mehrtägiges Treffen von GestalttherapeutInnen in Eigenregie statt. Wir haben es Gestalt-Leben genannt. Ursprünglich hatte Martin Goldstein bei einem Lehrtherapeuten-Treffen des IGW* in Würzburg (2001) im Kollegenkreis angeregt, sich nicht nur fachlich auszutauschen, sondern im Anschluss an das jährliche Treffen gemeinsam in eine Art “Gestalt-Klausur” zu gehen und sich persönlich aufeinander einzulassen.

Dieses Projekt hat sich inzwischen vom IGW völlig abgekoppelt und findet wiederkehrend seit einigen Jahren im “Tonhaus” in Melpert/Rhön (dezentral) statt. Mittlerweile hat sich eine recht stabile Gruppe von sechs GestalttherapeutInnen zusammengefunden, die einmal im Jahr für knapp vier Tage zusammenkommen, um sich im Rahmen einer Gestalt-Entwicklungsumgebung zu begegnen.

Aus der Anfangszeit liegen ein paar authentische Erfahrungsberichte vor.

Darüberhinaus haben wir uns bemüht, einen kurzen theoretischen Rahmen zu skizzieren, in dem sich das Ganze abspielt.

* Institut für Integrative Gestalttherapie Würzburg

Gestalt-Leben 2011

26.Juni 2011

Gestalt-Leben fand vom 23. bis 26. Juni zum 11. Mal im Tonhaus/Melpert statt. Petra van Eyck, die Frau unseres Gastgebers ist im letzten Jahr kurz vor Weihnachten verstorben.
Wir kannten Petra seit Beginn unserer Treffen im Tonhaus als Seele des Hauses. Wir sind erschrocken und erschüttert und es fällt uns schwer diesen Verlust anzunehmen.
Und dennoch… das Leben geht weiter – das Gestaltsleben auch.

Dieses Mal waren wir sieben Teilnehmer. Seit vielen Jahren beginnen wir mit Aminas (Affo’s) Gericht: U Galina Kuku Paka. (Huhn in Soße)
Sinnlich, afrikanisch, lecker.  Das ist unser Awareness-Beginning-Ritual: Wir tauchen unsere Hände gemeinsam in die dampfende Schüssel mit U Galina Kuku Paka und kommen uns beim Essen näher.

Am ersten Abend erzählen wir uns gegenseitig aus unserem Leben im vergangenen Jahr und knüpfen an das gemeinsam erlebte an. Der gemeinsame Seelenraum beginnt sich zu entfalten.

Wir vertrauen uns wie in der Vergangenheit dem Weg an, den uns unsere Träume weisen. Wie in der Meditation geht es uns nicht darum an einem bestimmten Punkt anzukommen, sondern gemeinsam in ein Awareness-Feld einzutreten, in dem sich das Selbst bei der Begegnung mit den anderen offenbart.

Dieses “reine Sein” ist nicht aktiv herstellbar, sondern tritt für einen wertvollen Moment in Erscheinung, zeigt sich und vergeht. Diesen Moment festzuhalten ist völlig unmöglich. Unser Vertrauen wächst mit der sich wiederholenden Erfahrung. Jeder ist daran beteiligt, dass dies sich bei jeder neuen Arbeit wieder und wieder zeigt. Deshalb kommen wir immer wieder zusammen:
“To receive a thin wafer of understanding” (R. Hall) Ein Prozess der nicht wirklich beschreibbar ist. Jedenfalls nicht im wissenschaftlichen Sinn.

Und auch wenn Wittgenstein sagte: “worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen”, sehen wir es im Glanz unserer Augen, wenn dieses “reine Sein”  in den Vordergrund tritt und meine und deine Existenz offenbart.

Für uns ist das Gestalt-Leben.

ein Nachruf auf Martin vom IGW

http://www.igw-gestalttherapie.de/Newsletter/IGW_Newsletter_04_2012.html